Ermittlung Lagerspiel

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mitsublue
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Ermittlung Lagerspiel

Beitrag von mitsublue » Fr Dez 15, 2006 12:50 pm

Mal wieder was für die Schrauber ……

Ermittlung von Lagerspiel Welle / Lager

Aus verschiedenen Gründen kommt es vor, dass man bei einem Motor, Getriebe, Aggregaten o. ä. das Spiel zwischen Welle und Lager feststellen möchte. Beispielsweise Ermittlung von Verschleiß, passende Paarung Welle- / Lager nach Überholung u. ä.
Eine Möglichkeit ist das Messen der Welle mit einer Messschraube („Mikrometer“) bzw. des Lagers mit einer Innenmessschraube (oder Innenmessgerät). Die Werte werden ermittelt und dann von einander abgezogen. Beispiel Wellenzapfen 59,98mm, Lager 60,04mm ergibt ein Spiel von 0,06 mm (d. h. pro Seite 0,03mm).

Es gibt allerdings auch eine andere Methode.
Ermittlung des Lagerspiels mit einem speziellen, kalibrierten „Messfaden“, umgangssprachlich auch „Plastigage“ (Firmenbezeichnung) genannt. Es gibt verschiedene Durchmesser / Messbereiche je nach Verwendungszweck (z. B. PG-1 grün 0,025 – 0,076mm)

Bild
Plastigage PG-1 grün

Beispiel Ermittlung Lagerspiel Pleuel - Kurbelwellenzapfen
Hierzu wird zunächst ein Stück (min. Lagerbreite) des Messfadens abgeschnitten und dann zwischen Welle und Lager gelegt (1) und die Lagerpaarung montiert.
Die Pleuelverschraubung wird nun mit dem vorgeschrieben Drehmoment angezogen (beim GT z. B. 52 Nm). Sodann wird die Paarung wieder demontiert. Auf der Lagerschale (könnte auch auf dem Kurbelwellenzapfen sein) ist nun ein Abdruck des gequetschten Fadens zu sehen. Nun legt man die mitgelieferte Vergleichsskala an (2) und liest von dieser den entsprechenden Wert ab, z. B. 0,06mm.

Bild
Prinzip Messfaden

Dieses Verfahren ist übrigens auch von Mitsubishi für verschiedene Stellen im Motor vorgegeben.
Sollwerte (+, – Toleranzen) kann man Werkstatthandbüchern u. ä. entnehmen.
Die genannten Werte gelten grundsätzlich bei 20°C.

Bild


Eine ähnliche Methode wird z. B. von Mitsubishi für die Ermittlung des axialen Lagerspiels bei den Wellen des GT-Schaltgetriebes im eingebauten Zustand verwendet. Vor allem bei der Zwischenwelle würde man anderweitig gar nicht rankommen.
Hierbei wird ein Stück dünner Lötdraht (Zinn/Blei-Weichlot) verwendet. Man legt pro Lagerung ein Lotstück ein, montiert, zieht mit dem vorgesehen Drehmoment an.
Dann wird wieder demontiert, die jeweiligen gequetschten Lotstücke gemessen und das Lagerspiel mit den passenden Ausgleichscheiben korrigiert.

Beispiel: Radiales Spiel der Zwischenwelle im 5-Gang-Getriebe,
Gemessen (s. o.) 0,50mm.
Soll 0,15 bis 0,25mm.
Zusätzliche Ausgleichscheibe 0,30 mm wird eingefügt. 0,50mm – 0,30mm ergibt 0,20 mm Spiel (= soll).

Zwar etwas OT, aber trotzdem:
Dies wurde beispielsweise bei der Getriebereparatur eines Mitglieds so nicht gemacht ---> jede Menge Ärger, Ölverlust usw.
Anderes Beispiel: Wert Zahnriemenspanner einem GT soll bei 3,8mm liegen, gesehen jedoch mit ca. 12 mm, ---> Spannung zu gering --->Zahnriemen springt über (Versatz), ---> Steuerzeiten im Eimer ---> Probleme.
Schuld: Natürlich die doofe Nockenwelle …..
Manche wollen oder können sich einfach nicht an Werksvorgaben bzw. die „anerkannten Regeln des Maschinenbaus“ halten, wobei es oft auch insgesamt an Fachkompetenz und Sorgfalt mangelt.
Was man da teilweise so sieht / erlebt .... #-o 8-[

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