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Es sollte jedenfalls etwas Leistungsstarkes sein, kein Cabrio, keine Automatik (trotzdem auch versch. Mercedes und Jaguar angeschaut). Er sollte auch über einen gewissen Nutzwert und Reisetauglichkeit verfügen. Außerdem sollte er gute Schlechtwettereigenschaften und eine zumindest brauchbare Wintertauglichkeit haben (also keine Viper, TVR u.ä....).Qualität ist auch wichtig, v. a. auch ein günstiges Preis-/Leistungsverhältnis.....
Zur Entscheidungsfindung und zur Vermeidung des „aus dem Bauch heraus kaufen“ habe ich auch eine Zusammenstellung gemacht (Tabelle mit Punktewertung). Punkte gab es da für Fahrleistungen, Fahreigenschaften, Sicherheit, Fahrspaß, Fahrkultur/ -komfort, Nutzwert, Optik, Image, Qualität/Reparaturanfälligkeit, Unterhaltskosten, Wertverlust, Klassikerstatus.
Half aber irgendwie auch nicht viel weiter, weil die verschiedenen Kandidaten in der Summe doch recht nahe zusammen lagen. Dies weil eben gewisse Stärken und Schwächen sich meist gegenseitig neutralisieren. Nur ein Beispiel: Lotus Esprit:V8: Zuverlässigkeit, Reparaturanfälligkeit u. ä. schwach, aber gut bei Fahrfreude, Image, sehr geringer Wertverlust, Klassiker.
Pferd- und Stier-Italiener waren auch aus Image- und Kostengründen (v. a. Folgekosten, ich sag nur "Fehlkonstruktion Zahnriemen alle 20tkm"

Also zur Praxis:
Corvette C5
Fünf längere Probefahrten bei versch. Händlern, die C5 geht wirklich gut, dazu vergleichsweise sparsam. V8 –Durchzug und -Sound, lange Schnauze (Feeling), Targadach, angenehmer Cruiser und trotzdem sportlich, robuste Mechanik, Tuningmöglichkeiten bis zum Abwinken (war u. a. auch bei Geiger in M). Na ja...das „Zuhälterimage“, aber es fahren inzwischen z.B. auch Juristen, Ärzte und sogar Pfarrer das Teil...., mich stört es nicht. Aber teilweise würdelose Verarbeitung im Innenraum, Seitenscheiben pfeifen stark ab ca. 250km/h, (Normal-) Fahrwerk verträgt noch einen Nachschlag, mögliche Probleme im Winter (nur Oldie-M+S lieferbar, Händler empfiehlt lieber Golf nehmen wenn Schnee und so).
Händler waren alle problemlos und zuvorkommend (ausgiebigste Probefahrten möglich

Lotus Esprit V8
Tolles Outfit und Handling, Ausstelldach angenehm, Sitzposition bis ca. 1,80m dto., Kofferraum passabel, korrosionsfest (verzinkte Rahmenkonstruktion + Kunststoffkarosse) – mehrere Fahrzeuge gefahren , aber immer problematisch: Kupplung, Getriebe und vor allem Zweifel an Qualität bei Mechanik und bei Details, hohe Ersatzteilpreise, teilweise auch Fz.-Vorgeschichte ?? Tuningmöglichkeiten wg. Getriebe aus dem seligen Renault 21turbo begrenzt. Problem Winterbetrieb (?), Händler: Das weiß ich auch nicht so ...??

Werde ich nie vergessen: Gelber V8 von privat. Probefahrt, ich fuhr zuerst selbst, dann der Besitzer (Hobby-Rennfahrer), mit 275km/h auf dem Nürnberger Stadtring (soll 100): „Ich weiß wo die Radarkontrollen sind“ .......wuuuuschsch... mit 200 km/h Überschusstempo vorbei an Malermeisters Pritschenwagen......




Esprit 300 (4 Zyl. Turbo mit 300PS) – Seltener Klassiker (nur ca. 70 Stück gebaut) ohne Wertverlust. Fährt sich auch sportlich und kultiviert, „alte“ Turbo- Charakteristik. Aber Vorbesitzer ließ es mit dem Teil öfter auf Rennstrecken „krachen“. Außerdem keine Airbags.
Porsche 911
Dritter Besuch beim arroganten Porschehändler: Ließ mich nach Terminabsprache, Unterschrift, FS-Kopie usw. mit einem 996 allein los. Feines Handling, gute Bremsen, sportlich, Überholprestige, kultivierter Motor (aber rel. geringes Drehmoment), relativ sparsam – macht Spaß. Es regnet, kurvige Strecke - immer noch ein Heckschwenker wie beim 964 selig. Bei hohem Tempo auf der Autobahn: wird er vorne etwas leicht und unruhig, ab ca. 260km/h starke Windgeräusche an den Seitenfenstern. Aquaplaningverhalten auch nicht toll. Seitenwindempfindlich. So was liest man komischerweise nicht in sport auto u. Co (ist ja auch uninteressant, der Porsche-Durchschnittsfahrer fährt ja nur Hockenheim und Nordschleife im Trockenen

Aber die Preise !!, Nutzwert auch nicht so toll .....und neuerdings auch der enorme Wertverlust (wenn man es in in Euro betrachtet). Außerdem stehen die 911er inzwischen fast an jeder Ecke.
Porsche 928
Echter GT, kräftiger V8, flotter Autobahnracer, relativ hoher Nutzwert, günstig zu bekommen, - aber sehr durstig, hohe Wartungs- und Reparaturkosten und optisch ist es auch nicht ganz mein Traum.
Dann noch eine Gelegenheit: 993 turbo. Gepflegtes Liebhaberstück zu einem Spitzenpreis. Allerdings: Schneeweiß (kein Problem) mit komplett giftgrüner Innenausstattung

BMW 850 CSi
Schöner Reisewagen, V12, geht gut, „2 t - Dickschiff“, trotzdem für die Größe passables Handling, gute Strassenlage (u. a. Allradlenkung), solide, Made in Germany eben, komfortabel. Ex-Besitzer Promi aus dem Werk, aber irgendwie fehlt das Ahaa - Erlebnis, Überholprestige auf der AB nicht ganz so toll wie erwartet, Verbrauch lt. Bordcomputer....o la la.

3000 GT
Deutsche Testberichte: mittelprächtig. Dennoch, irgendwie lockt er. Passabler Nutzwert, gutes Preis-/ Leistungsverhältnis. Optik paßt einigermassen (na ja ... Heckflügel, v. a. die Radausschnitte....), gute Strassenlage, gutmütig, Allrad – keine Traktionsprobleme bei Nässe und Schnee (die verschneiten Gebirgspässe locken).
Erste längere Probefahrt mit einem 94er Gen. 2 bei (hier bekanntem) Händler aus Aalen. Fährt sich angenehm, Auto i. O. - aber Preis jenseits von...
Später Probefahrt mit einem „privaten“ Winter-GT: Aaaahh...., Besitzer fährt zunächst selbst, muss mal bei Mäkinen Beifahrer gewesen sein. Bahnübergang als Sprungschanze mit 160km/h und so..... Aber: Historie zweifelhaft, Verdacht auf versteckten Unfallschaden (Lackierermeister) ....
Zwischendurch ein paar andere Exoten, Aston Martin DB7, nicht übel, gediegen, wirkliche schöne Form – innen schön „englisch“. Heute schon Klassiker. Aber leistungsmässig nicht gerade der Bringer, Ersatzteile usw. nahe Ferrari. Winterbetrieb? Historie verschlungener als ein Krimi...

Toyota Supra Mk4. Gutes Handling, gute Bremsen, Tuningmöglichkeiten, Nutzwert i. O. - aber vergleichswise teuer, sehr mäßige Wintereigenschaften und dann der Heckflügel .... bin doch keine 25 mehr...

Nissan 300ZX. Außer evtl. Optik und Preisniveau sah ich eigentlich keine Vorteile gegenüber der Supra oder dem 3000GT.
Maserati 3200GT –… Bella Macchina, V8, Bi-Turbo, Dampf, Sound…, da kommt Freude auf, ist irgendwie die Maxiausgabe von meinem alten Alfa GTV 6. Für einen Sportwagen ordentlich Platz, Optik paßt außen und innen.... Aber bereits im Stillstand Qualitätsprobleme zu erkennen (obwohl Händler von besserer Qualität ab 9/99 spricht ), teure Teile, mehr Fahrzeuge bei mobile.de als auf der Strasse, durstig, ab ca.220 km/h etwas unruhig und schwammig (es gab einige Unfälle - evtl. wg. tückischem Fahrverhalten?), Winterbetrieb usw. ...
Dann eine Tages, beim Surfen auf autoscout 24, ein blauer „Winter-GT“, ein paar Extras, gleich mal zum Telefon, ... ab zum Mitsu - Händler in Aschaffenburg.
Da steht er, glänzt in seinem gediegenen dunkelblau, belegbare Historie usw., einwandfrei, gepflegt, pingeliger Vorbesitzer (Jurist), hat sich einen neuen GT in grün gekauft - auch positiv.
Endlich Probefahrt über die Dörfer, kurvige Landstrassen im Spessart, auf die Autobahn – das Teil geht gut


Schnell bin ich mit dem Verkäufer handelseinig und seitdem sind wir (problemlos) zusammen.
Einige generelle Anmerkungen zum Sportwagenkauf:
Nicht alles zu sehr durch eine „Markenbrille“ sehen – jeder der gehobenen Sportwagen hat sein Vor- und Nachteile. Liegt insgesamt nahe zusammen. Es kommt mehr auf die persönlichen Bedürfnisse und Fahrgewohnheiten an, natürlich auch auf die Finanzen.
Man kann nicht alles haben und muß meist schon Kompromisse eingehen.
- Schwachpunkte der einzelnen Typen ermitteln (heute dank Internet meist relativ einfach).
- Das "feeling" für das Fahrzeug muß insgesamt stimmen – sonst wird man trotz objektiv gutem Fahrzeug auch nicht glücklich.
- Vor allem bei Exoten: Lieber ein gute Gelegenheit bei der alles paßt vom Kandidaten Fz.-Typ 2 als ein zweifelhaftes Exemplar vom Kandidat Fz.-Typ 1.
- Nicht zu billig einkaufen, lieber warten oder notfalls finanzieren, als eine heruntergekommene oder verbastelte Gurke mit vermutlich enormen Folgekosten.
- Zeit lassen und vergleichen, vor allem bei Exoten (Probefahrten, möglichst Insider zuziehen).
- Ganz wichtig: Vorbesitzer und sein Umfeld. Meist erstrebenwert z.B. gepflegter Zweitwagen von altem Autofreak der sich seinen Jugendtraum erfüllt hat. Vorsicht: Ausgelutschte Fahrzeuge mit Prolltuning aus junger Hand. Auch nicht unbedingt meins: Geleaste Yuppikarren.
- Händler meist teurer, aber dafür evtl. Sachkunde, Gewährleistung / Garantie
- Recht günstig sind manche Farbkombinationen (außerhalb derzeitigem Mainstream), da gibt es manchmal echte Schnäppchen (wenn es nicht stört), z.B. Lotus Esprit in rot mit innen beige – ca. 6000 E günstiger als gelb mit innen schwarz.
- Für Privatpersonen manchmal günstig zu bekommen:
Sportwagen von privat ohne MwSt. -Abzug-Berechtigung (dadurch für Geschäftsleute weniger interessant).
Zum GT siehe auch:
„Warum fahrt Ihr GT?“ http://www.gt-driver.de/forum/viewtopic.php?t=23
und
„Was ist eigentlich ein GT?“ http://www.gt-driver.de/forum/viewtopic.php?t=85
Noch viel Spaß mit heißen Sportwagen
mitsublue