Hallo Tiberius und andere Evo-Fans,
zunächst, die Rubrik heißt ja an sich „GT und andere Sportwagen“ - und ein Sportwagen, das ist der EVO streng genommen nun mal nicht.
Trotzdem - da aus dem „gleichen Stall“ (aber bitte deswegen nicht demnächst z.B. Astra OPC oder Audi S3).
„Erfahrungen“, Eindrücke
Zunächst habe ich den Evo VIII beim damaligen Schnee-Event ausführlich „gequält“, s.
http://www.gt-driver.de/forum/viewtopic.php?t=641
Der Vorteil winterlichen Untergrunds ist, dass man dabei sich meist im Grenzbereichen aufhält und dadurch auch die Grenzen des Fahrzeugs bzw. sein Verhalten in diesen Regionen erfährt. Interessant war übrigens auch, dass Joe (fährt auch „Winter-GT“) zu ähnlichen Einschätzungen des Evo kam.
Außerdem konnte ich noch über einen Mitsubishi-Händler (der übrigens untröstlich war, mir außer dem Evo keinen würdigen Nachfolger für den GT anbieten zu können) einen Evo VIII auf verschiedenen Straßen / AB und unter unterschiedlichen Fahrbedingungen (trocken/naß) ausführlich testen.
Fahrverhalten
Der Evo VIII (ebenso Evo IX) verfügt über ein extrem gutes Handling, sehr leichtfüssig, dabei auch noch sehr gutmütig und einigermassen komfortabel (Rallyefahrzeuge brauchen Federwege). Lt. Uwe Nittel hat er ein Fahrverhalten wie die „echten“ Rallye-Evos z. B. bei der Rallye Monte Carlo vor einigen Jahren. Der Evo VII (und dessen Vorgänger) waren hinsichtlich Gutmütigkeit wesentlich problematischer. Es ist teilweise unglaublich wie man einen zunächst zum Kurvenausgang schiebenden Evo VIII doch wieder „einfangen“ kann. Dürfte kaum ein anderes Fahrzeug geben, mit dem das so geht. Auf (rel. „langsamen“) Rundstrecken kommt ein Evo ca. auf Zeiten von min. doppelt so teuren Sportwagen, v. a. wenn es feucht ist.
Bei höheren Tempi (so ca. ab 180 / 200km/h) lässt die Souveränität (vs. GT) etwas nach. Karosserieform und –höhe machen sich bemerkbar (Luftwiderstand, Seitenwindempfindlichkeit, Windgeräusche usw.).
Berücksichtigen sollte man auch, daß die Evos rel. häufig mit "echten" Sportreifen ausgetattet sind (z.B. Yoko 048) - so was auf dem GT würde man vom Handling her auch positiv spüren.
Bremsen
„Brembo“ - griffig, gut dosierbar, soweit i. O., standfester als beim GT (v. a. vs. Gen. 1).
Motor
Geräusch, Laufkultur: "langhubiger 4-Zylinder“, ansonsten gut, aber nichts besonderes.
Turboloch etwas geringer als beim GT, rel. „linear“, in unteren Geschwindigkeitsbereichen etwas schneller (auch wg. „kurze Gänge“), dafür fehlt etwas der „Punch“ oben herum (insbesondere vs. „Winter-GT“). Leistungsmäßig liegt der EVOVIII übrigens meist etwas über den angegebenen 265PS.
Verbrauch
Kein Spritsparer, ähnlich GT, v. a. bei schneller Autobahnfahrt, ganz oben noch mehr (Aerodynamik).
Tuning
Man sollte berücksichtigen, dass der (ähnlich unserem GT-Motor aufgebaute) 2,0l-Motor auf spezifischen Hubraum bezogen schon stärker ausgelastet ist. Vergleichsweise auch in D viele Möglichkeiten / Angebote
Kraftübertragung
Schaltung leichtgängiger als beim GT, aber beim „deutschen VIII“ nur 5-Gang. Rel. kurz gestufte Gangreichweiten.
Allradantrieb noch etwas aufwendiger (AYC), versch. Fahrprogramme möglich (allerdings hinsichtlich Reparaturen dadurch ungünstiger) und Traktion (zumindest gefühlsmäßig) nicht besser (bei beiden allerdings mehr als genug). Kupplung macht (bei scharfem Fahrstil) rel. häufig Probleme.
Karosserie
Praktisch (4-Türen, Kofferraum) und für die Außenabmessungen geräumig, rel. übersichtlich.
Nachteil (?): Schwiegermuttergeeignet

.
Verarbeitung, Anmutung und Ausstattung: Mittelklasse (unter GT), auch geräuschmäßig (man merkt schon die "Basis" = ca. "jap. Bora").
Sitzposition: Limousine (vs. GT würde das mir schon abgehen)
Optik: Sportliche japanische Mittelklasse mit „Anmachflügel“ hinten, aber nicht die klassische Sportwagenoptik (wie sie z.B. der GT hat).
„Überholprestige“ auf der AB vergleichsweise betrüblich (vs. GT), zumindest bei „Otto Normalfahrer“.
Soziale Akzeptanz geht (für Durchschnittsbürger) dank „Understatement“ i. O. (bis auf den Flügel, aber da gibt es ja eine „bürgerliche“ Ausführung)
Mein Fazit
Generell lassen sich Evo und GT nicht direkt vergleichen. Einmal eine zivile Variante eines Rallye-Fahrzeugs (auf Basis einer Mittelklasselimousine), andererseits ein „echter GT“ (s. z.B.
http://www.gt-driver.de/forum/viewtopic.php?p=218#218 )
Das mit dem „GT“ wird häufig vergessen und unser GT mit allem möglichen Fahrzeugtypen verglichen bzw. irgendwelche (fehlenden/ungünstigen) Eigenschaften moniert (meist ohne die beim Vergleichsfahrzeug dafür ungünstigeren Eigenschaften zu erkennen). Auch sollte man die jeweiligen Rahmenbedingungen berücksichtigen (und nicht nur auf dem jeweiligen positiven „Spezialgebiet“ testen) und auch mal auf das Baujahr schauen.
Fahren generell
„Je langsamer die Strecke, desto geeigneter der Evo - je schneller die Strecke, desto geeigneter der GT“ (relativ gesehen).
Macht v. a. „untenherum“ (z.B. auf kurvigen Bergstrassen) unheimlich Spaß, aber z.B. auf der Autobahn / Langstrecke fehlt das „souveräne Gleiten“ des GT. Irgendwie geht mir das „satte“ Verhalten des GT ab (wenn er anderseits auch manchmal etwas schwerfällig wirkt).
Kurzum, ein Evo ist zwar eine der agilsten Möglichkeiten der sportlichen Mittelklasse, aber für mich (bzw. meine Vorstellungen) insgesamt derzeit keine Alternative zum GT.
Allerdings für "angehende" oder gestandene Familienväter, "Aussendienstler" u. ä. wäre es schon eine gute Möglichkeit Pflicht und Spaß zu verbinden (wobei billig ist der Spaß auch nicht gerade).
Interessant wäre evtl. ein kleiner, leichter, flacher, windschlüpfiger Sportwagen (größenmäßig ähnlich Eclipse) mit der Technik des Evo.
Evo-Forum
s.
http://www.evo-forum.de/index.php?sid=6 ... 984dc2a5f5
Gruß
mitsublue